Atemlos durch 2014: Ein Rückblick der Safari

Ahoi,

normalerweise quatschen hier ja der Smutje oder der Kapitän. Aber heute ergreife  ICH die Gelegenheit, und rede mal über MICH. Nicht über Ölzeug, oder Galvanik, oder so Kram ….. sondern über mich ganz allein. Ein Rückblick – denn in meinem Alter, darf ich schon Rückblicke halten.

Auch das Jahr 2014 fristete ich in der Halle, ohne Sonne und ohne Wasser. Mal abgesehen von dem einen gotzigen Putztag, wo etwas Wasser wenigstens tröpfchenweise mein Teak benetzte.

Ein Schiff gehört ins Wasser! Habt Ihr Zwei das gehört? Immer diese Rumdrimmslerei bei den Restaurierungsarbeiten. Würdet Ihr schneller arbeiten, dann wär ich schon da, wo ich hingehör! Habt Ihr gehört! „Atemlos durch 2014: Ein Rückblick der Safari“ weiterlesen

Am Beispiel eines Bilgenknotens

Eine Totalrestauration eines Klassiker heißt oft auch Denksport …

erklärt an der Bilge samt Bilgenknoten …

4 Schottwände, 2 elektrische und 2 manuelle Pumpen, eine zentrale Steuerung = Bilgenknoten der Safari.  …

Original gab es eine Bilge. Jedoch hat einer der Vorbesitzer drei wasserdichte Schottwände aus 4mm Stahl einbauen lassen. Zudem ein festverrohrtes Bilgensystem, welches aber nicht mehr verwendet werden konnte.  Das heißt: alles Neu andenken und nach Lösungen suchen …

  Anforderung an die Bilge mit all den Bilgenpumpen:

1. Jeder Sektor muß einzeln manuell oder mit dem Jockel zum pumpen sein.

2. verschiedene Sektoren müssen zusammengeschlossen werden können.

3. die elektrischen Pumpen im Motorraum und Batterieraum müssen unabhängig voneinander bei Wassereintritt anspringen.

4. Der Jockel muss flexibel einsatzbar sein

5. Alles muss vom Cockpit aus steuerbar sein und auch funktionieren, wenn wir nicht an Bord sind!

 Los gehts, denn erstmal ist da NIX!

 DENKEN – Nachdenken, Informieren, nochmals denken,

Gedanken verwerfen, neu DENKEN, DENKEN, nochmals Materialien googeln und bestellen, kurz denken … mal anfangen, denn eins ist sicher, die Schläuche müssen durch die Schottwände, und wenn wir mal anfangen mit bohren, ergibt sich die perfekte Lösung mit dem Tun. Meistens jedenfalls …

 Lösungsschritte der Pumpen-Installation:

  • 25mm Löcher in alle Schottwände bohren -5 mal konservieren;
  • Denken, mit welchem System die Wasserverteilung geregelt werden kann – Platzbedarf – Anordnung (wo Ventile, drei-Wege-Hähne, Rückschlagventile, Schlauchlegung, Elektrik);
  • Hilfsspanten aus Holz anpassen – Befestigungs-löcher in die Stahlspanten bohren – 5 mal konservieren;
  • Holzboden anpassen – zeitgleich Bilgenknoten konstruieren und Halterung mit anpassen – dabei nie die sehr engen Ausmasse des eleganten Yachthecks ausser Augen lassen – Alle Holzteile mit Epoxy festigen und 3 bis 5 mal malen.
  • Holzteile zeitgleich mit Bilgenknoten einbauen (einzeln geht das nicht, denn es gibt nur den Zugang über den engen Backskistendeckel)
  • 50 meter „sakrisch gsterren“ 25mm Schlauch vom Ankerkasten durch alles Schotts, durch Schrank, unter Bodenbrettern, durch „Schieß mich Tod“ durchfädeln, dabei nicht übers Kreuz kommen und die wasserdichten Verbindungen und Rohrschellen immer schön mit einfädeln …. auf heißen Auspuff achten!
  • Viele blaue Flecken später, den harten Schlauch exact kürzen – auf die Ventile wuchten und mit Schlauchschellen fixieren. Nochmals nachdenken, ob alles ok ist, und dann Plan malen.

Nochmals durchdenken, dann noch minimale Korrekturen .... und dann die 587 Kabelbinder

Und dann sieht es so aus:

Bilgenknoten-der-Safari
Bilgenknoten im Heck
Bilgenknoten
Schlauch und Verteiler rund um den Heiß-Auspuff

 

Am Beispiel eines Bilgenknotens

Na geht doch …. Jeder Raum kann nun einzeln angesteuert und jeder weitere Raum kann dazugechaltet werden. Elektrisch oder von Hand. Die Schwimmschalter bei den elektrischen Pumpen geben ein sicheres Gefühl, wenn wir nicht an Bord sind.

Ahoi …. Ulli + Michl

 

Von Schläuchen und Bierzapfanlagen

Toiletten, Schläuche und das Ding mit der Spülung

1778 entwickelte Josef Bramah die erste Schiffstoilette. Viel pumpen, ein Ventil und ein Wassereimer, so ähnlich muss das damals gelaufen sein, das mit dem Geschäft.

Wie genau die Anlage vom Bramah Sepp funktionierte ist mir unbekannt. Fest steht, dass er sich doch ganz viele Gedanken gemacht haben muss über den Weg des – sagen wir mal „Rosenblattes“.

Je tiefer desto plumps

So im Haus ist die Geschichte ja einfach: Das Haus schiebt ja auch keine Lage, wo das Wasser wieder von außen rein drückt. Oder die ganze Potschere aus dem Tank zurück läuft.

Wir haben uns auch „verkopft“. Wollten wir doch eine Lösung für nur eine Pumpe.  Alles möglichst kompakt, denn Platz haben wir auf dem Klassiker wenig.  Nächste Problematik: Wir bekommen nur einen Frischwassertank mit 70l unter.  Wassersparen ist angesagt. Voila ….. die Lösung mit einer Vakuum-Toilette:

 

Toiletten-Plan:

Wasserverteilungsplan_2014
Wasserverteilung – Weg der Toilettenspülung auf Safari

 

Bei den Fäkalienschläuchen haben wir nicht gespart, weder am Geld noch an der Qualität: Denn viel Billig, viel Stink! Die Wasserschläuche sind alle aus der Lebensmittelindustrie wegen der Keimbildung. Wichtig ist auch, dass die Schläuche nicht zu weich sind. Logisch, denn entsteht ein Vakuum, dann saugt sich ein weicher Schlauch zusammen. Plop, und nichts geht mehr.

Und unter uns gesagt: Es war schon ne Engedei und über hundert Schlauchschellen schrauben, war auch kein Keksschlecken. Da freut man sich doch auf den wohlverdienten Feierabend.

Schmalschultrige hätten es leichter
Schmalschultrige hätten es leichter
Wasserschläuche durch den Salon
Wasserschläuche laufen auch durch den unteren Salon

 

Toilettenspülung - Verteilung
So sieht es aus hinter der Schüssel und im Badezimmerschrank

Und was hat eine Bierzapfanlage mit der Toiletten-Schläuchen zu tun?

Dabei fällt mir doch schon wieder der Bramah Tschosef aus England ein. Der Schlaumischlau des ersten Marine-Klosetts war witzigerweise auch der Erfinder der ersten Bier-Zapf-Anlage.

Sympathischer Kerl, er kümmerte sich einfach um die elementarsten Dinge im Leben *strahl*.

Wenn wir mal in England vorbeisegeln, sollten wir ihn besuchen. Es geht doch nichts über ein Ziel im Leben …. *grins*

Na denn … Ahoi … Ulli + Michl